Deleveraging
Deleveraging ist der Abbau von geliehenem Exposure in einem Markt: Entweder schließen Trader ihre Hebelpositionen selbst, oder Börsen und Lending-Protokolle liquidieren sie. Bei Krypto passiert das oft in plötzlichen Schüben, die die Kurse stark bewegen.
Zwei Arten von Deleveraging
Mit Hebel steuern Trader Positionen, die größer sind als ihr eigenes Kapital, finanziert über geliehene Mittel an Derivatebörsen oder Kredite bei Lending-Protokollen. Deleveraging heißt, dass dieses geliehene Exposure schrumpft. Das kann freiwillig geschehen: Trader nehmen Gewinne mit, senken das Risiko vor einem wichtigen Termin oder schließen Positionen, weil die Funding-Kosten zu hoch geworden sind. Oder es geschieht erzwungen: Positionen erreichen ihren Liquidationspreis und werden automatisch geschlossen.
Freiwilliges Deleveraging verläuft eher schrittweise. Erzwungenes geht schnell, weil Liquidationen Market-Orders sind, die den Kurs weiter drücken und so die nächste Runde von Liquidationen auslösen. Diese Kettenreaktion heißt Liquidationskaskade.
Wie es sich in den Daten zeigt
Das deutlichste Zeichen ist ein starker Rückgang des Open Interest, des Gesamtwerts offener Futures- und Perpetual-Kontrakte. Angenommen, das Open Interest bei Bitcoin-Derivaten fällt an einem einzigen Tag von 20 auf 16 Milliarden Dollar, während der Kurs um 8 % sinkt. Dann wurde etwa ein Fünftel der gehebelten Positionen geschlossen, viele davon vermutlich durch Liquidation. Gleichzeitig fallen die Funding Rates oft Richtung null oder werden negativ, weil überfüllte Long-Positionen verschwinden.
In der dezentralen Finanzwelt (DeFi) zeigt sich Deleveraging als Welle von Kreditliquidationen: Sicherheiten werden verkauft, weil ihr Wert im Verhältnis zum geliehenen Betrag zu stark gefallen ist.
Warum es wichtig ist
Viel Hebel macht einen Markt anfällig: Schon eine kleine Bewegung kann große Zwangsverkäufe oder -käufe auslösen. Nach einem großen Deleveraging steckt meist weniger geliehenes Geld im Markt, was manche Trader als bereinigte Ausgangslage lesen. Das beschreibt die Positionierung, ist aber keine Prognose: Hebel kann sich schnell wieder aufbauen, und Kurse können aus anderen Gründen weiter fallen.
Ein eigener, engerer Begriff ist Auto-Deleveraging, ein Mechanismus von Börsen, der profitable Positionen schließt, wenn der Versicherungsfonds Liquidationsverluste nicht decken kann.
Wer dabei Geld verliert
Wer in einer Kaskade liquidiert wird, verliert den Großteil seiner Margin, oft bei Bewegungen, die sich innerhalb von Stunden teilweise wieder umkehren. Andere trifft Slippage, wenn Stop-Loss-Orders in dünnen Orderbüchern weit unter ihrem Niveau ausgeführt werden. Wer geliehene Coins als Sicherheit für weitere Kredite nutzt, wie bei DeFi-Loops üblich, vervielfacht sein Exposure. Dann kann ein einziger Kursrückgang mehrere Ebenen auf einmal auflösen.
Frag Coach dazu
Coach ist die KI von AtenaCrypto. Sie erklärt Krypto mit Live-Marktdaten, in einfachen Worten.
Wie erkenne ich anhand von Open Interest und Funding Rates, ob ein Markt sein Deleveraging hinter sich hat?Coach fragen →
Häufige Fragen
Was bedeutet Deleveraging bei Krypto?
Der Markt baut gehebelte Positionen ab, entweder weil Trader sie schließen oder durch Zwangsliquidationen. Sichtbar ist das oft an einem sinkenden Open Interest.
Ist Deleveraging dasselbe wie Auto-Deleveraging?
Nein. Deleveraging ist der allgemeine Abbau von Hebel im ganzen Markt. Auto-Deleveraging ist eine bestimmte Börsenregel, die profitable Positionen schließt, wenn Liquidationen eine Lücke hinterlassen.
Heißt Deleveraging, dass der Kurs seinen Boden erreicht hat?
Nicht unbedingt. Es bedeutet, dass weniger geliehenes Exposure übrig ist, was Zwangsverkäufe verringern kann. Die Kurse können aber aus anderen Gründen weiter fallen.
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