Nakamoto-Koeffizient
Der Nakamoto-Koeffizient ist die kleinste Zahl unabhängiger Akteure, die zusammen genug von der entscheidenden Ressource einer Blockchain kontrollieren, etwa Hashrate oder Stake, um sie anzugreifen oder anzuhalten. Je höher er ist, desto dezentraler ist das Netzwerk, zumindest in dieser einen Hinsicht.
Woher die Idee stammt
Balaji Srinivasan und Leland Lee schlugen die Kennzahl 2017 in ihrem Essay Quantifying Decentralization vor und benannten sie nach dem pseudonymen Bitcoin-Erfinder. Ziel war, vage Aussagen über Dezentralität durch eine Zahl zu ersetzen, die sich zwischen Netzwerken vergleichen lässt.
Wie er berechnet wird
Zuerst wählst du ein Teilsystem, etwa Mining-Pools nach Anteil an der Hashrate oder Validatoren nach Anteil am Stake. Dann sortierst du die Akteure vom größten zum kleinsten und addierst ihre Anteile, bis die Summe die Schwelle für kritische Kontrolle überschreitet. Die Zahl der dafür nötigen Akteure ist der Koeffizient dieses Teilsystems.
Die Schwelle hängt vom Angriff ab. Bei Proof of Work erlauben 51 % der Hashrate einen Mehrheitsangriff, etwa das Umschreiben jüngster Blöcke. Viele Proof-of-Stake-Netzwerke nutzen byzantinisch fehlertoleranten Konsens, bei dem mehr als ein Drittel des Stakes die Finalisierung blockieren kann. Dort wird der Koeffizient deshalb oft bei 33 % gemessen. Das ursprüngliche Paper schlug vor, ihn für mehrere Teilsysteme zu berechnen, etwa Mining, Client-Software, Entwickler, Börsen und Token-Besitz, und den kleinsten Wert als Gesamtkoeffizienten zu nehmen.
Ein Rechenbeispiel
Angenommen, die Mining-Pools einer Proof-of-Work-Chain halten diese Anteile an der Hashrate: 30 %, 25 %, 15 %, 10 %, 10 % und 10 %. Die zwei größten Pools kommen zusammen auf 55 %, also über 51 %. Der Mining-Koeffizient beträgt 2. Halten auf einer Proof-of-Stake-Chain die größten Validatoren 12 %, 11 % und 11 % des Stakes, erreichen drei von ihnen 34 % und könnten die Finalität stoppen. Der Koeffizient bei der Drittel-Schwelle ist 3.
Was die Zahl nicht verrät
Der Koeffizient hängt ganz davon ab, wie Akteure abgegrenzt werden. Ein Mining-Pool ist kein einzelner Miner: Tausende unabhängige Hasher können den Pool wechseln, wenn er sich falsch verhält. Pool-basierte Werte können die Machtkonzentration also überzeichnen. Auch das Gegenteil kommt vor: Mehrere scheinbar unabhängige Validatoren können von derselben Firma betrieben werden oder beim selben Cloud-Anbieter laufen. Dann liegt der echte Wert unter dem veröffentlichten.
Zudem misst er immer nur ein Teilsystem und nur eine Momentaufnahme. Governance, der Einfluss von Entwicklern und die Vielfalt der Client-Software zählen ebenso viel wie Hashrate oder Stake, lassen sich aber schwerer zählen. Sieh die Kennzahl als guten Ausgangspunkt, nicht als endgültiges Urteil.
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Häufige Fragen
Was ist ein guter Nakamoto-Koeffizient?
Eine offizielle Grenze gibt es nicht. Höher ist besser, weil mehr unabhängige Parteien für einen Angriff zusammenarbeiten müssten. Vergleiche sind aber nur bei gleichem Teilsystem und gleicher Schwelle sinnvoll.
Warum nutzen Proof-of-Stake-Chains eine Schwelle von 33 %?
Bei byzantinisch fehlertolerantem Konsens braucht die Finalität die Zustimmung von zwei Dritteln des Stakes. Wer mehr als ein Drittel kontrolliert, kann sie blockieren.
Kann sich der Nakamoto-Koeffizient ändern?
Ja. Er verschiebt sich, sobald Hashrate oder Stake zwischen Akteuren wandern. Ein Wert aus dem Vorjahr kann daher veraltet sein.
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