Krypto-gedeckte Stablecoins wie DAI halten Kryptowährungen als Sicherheiten. Um die Volatilität abzufedern, werden sie stark überbesichert — d.h. für jeden $1 DAI müssen mehr als $1 an Krypto hinterlegt sein.
Um 100 DAI zu erstellen, muss man z.B. 150 Dollar in ETH hinterlegen — eine Collateralization Ratio von 150%. Das ist keine Verschwendung, sondern Sicherheitspuffer: Wenn ETH um 33% fällt, ist der Collateral noch immer mehr als der DAI-Wert wert. Erst wenn ETH so stark fällt, dass der Collateral unter einen Schwellenwert fällt, wird die Position liquidiert — automatisch durch einen Smart Contract.
DAI wird vom MakerDAO-Protokoll ausgegeben. Du hinterlegst Krypto (ETH, WBTC und andere) in einem Smart Contract (Vault). Das System gibt dir DAI im Verhältnis zum Collateral-Wert. Du zahlst eine Stability Fee (Zins) für das "Leihen" von DAI. Wenn du DAI zurückgibst (+ Zinsen), erhältst du dein Collateral zurück. DAI ist vollständig dezentralisiert — kein Unternehmen kann es einfrieren oder kontrollieren.
Die Collateralization Ratio (CR) ist das Verhältnis zwischen hinterlegtem Collateral und ausgegebenen DAI. Bei 150% CR und 1000 Dollar ETH-Collateral kann man max. 666 DAI minen. Die Minimum-CR variiert je nach Collateral-Typ und Risiko. Je höher die CR, desto sicherer die Position — aber desto weniger Kapitaleffizienz. Das ist der Grund, warum krypto-gedeckte Stablecoins kapitalineffizienter sind als fiat-gedeckte.
Was passiert wenn ETH stark fällt? Wenn die CR unter den Minimum-Level fällt (z.B. unter 150%), wird die Position automatisch liquidiert: Der Smart Contract verkauft das Collateral, bezahlt damit die ausgegebenen DAI zurück, und verteilt einen Liquidationsbonus an Liquidatoren. Der Vault-Besitzer verliert sein Collateral (oder Teile davon), behält aber die ausgegebenen DAI. Das ist das Kernal-Risiko: Kursverfall führt zu Zwangsliquidation.
DAI hat Vorteile: Dezentralisiert — kein zentraler Emittent, den man vertrauen muss. Zensurresistent — niemand kann DAI einfrieren (anders als USDC, das Circle einfrieren kann). Transparent — alle Vaults und Collateral sind on-chain einsehbar. Keine Gegenpartei — Risiko ist das Krypto-Collateral selbst, nicht ein Unternehmen. Nachteil: Kapitaliineffizienz (man braucht mehr Collateral als DAI-Wert) und Liquidationsrisiko.
In der DeFi-Krise im März 2020 (COVID-Crash) fiel ETH innerhalb von 24 Stunden um ca. 50%. MakerDAO-Vaults wurden massenweise liquidiert. Das Liquidations-System war durch die extreme Marktvolantilität überlastet — bei einigen Auktionen wurden Collateral für fast null Dollar versteigert, weil keine Bieter da waren. MakerDAO verlor 4 Millionen Dollar durch diesen "Black Thursday". Das Protokoll hat seitdem robustere Sicherheitsmechanismen eingeführt — aber das Risiko von krypto-gedeckten Stablecoins in extremen Marktphasen bleibt.