Bevor Bitcoin existierte, gab es bereits digitales Geld — dein Kontostand bei der Bank ist digital. Aber digitales Geld und Kryptowährungen sind grundlegend verschieden.
Digitales Geld ist Geld, das in elektronischer Form existiert. Mehr als 90% aller Euro und Dollar existieren bereits als Datenbankeinträge, nicht als physische Scheine. Wenn du dein Gehalt bekommst, ändern sich Zahlen in einer Datenbank. Wenn du mit Karte zahlst, ändern sich wieder Zahlen. Physisches Bargeld ist bereits die Ausnahme, nicht die Regel.
Dein Guthaben bei der Bank ist digitales Fiat-Geld. Es ist eine Forderung an die Bank: Die Bank schuldet dir diesen Betrag. Das ist ein wichtiger Unterschied zu Bargeld — Bargeld gehört dir direkt. Digitales Bankgeld ist eine Forderung, die von der Bonität der Bank abhängt. Das zeigte sich 2013 in der Zypern-Krise, als Bankkonten über 100.000 Euro zwangsweise mit einer "Bail-in"-Steuer belastet wurden.
Digitales Fiat-Geld hat eine zentrale Schwäche: Du brauchst einen Mittelsmann. Du kannst nicht direkt von Person zu Person senden — du brauchst deine Bank, die Empfängerbank und das Zahlungssystem dazwischen. Diese Mittelsleute können Transaktionen blockieren, Konten einfrieren und Gebühren verlangen. Für internationale Überweisungen dauert das 1–5 Werktage und kostet hohe Gebühren.
Central Bank Digital Currencies (CBDCs) sind das Projekt vieler Zentralbanken: Digitales Geld, das direkt von der Zentralbank herausgegeben wird, ohne private Banken dazwischen. Der digitale Euro wird derzeit von der EZB entwickelt. CBDCs bieten Effizienz, aber auch Risiken: totale finanzielle Überwachung, Möglichkeit negativer Zinsen direkt auf Verbraucherkonten, programmiertes Geld.
Bitcoin und andere Kryptowährungen lösen das fundamentale Problem von digitalem Fiat-Geld: den Mittelsmann. Mit Bitcoin kannst du direkt, ohne Bank, von Person zu Person senden — weltweit, in Minuten, für minimale Gebühren. Das ist die eigentliche Innovation von Krypto: nicht einfach digitales Geld, sondern digitales Geld ohne zentralen Kontrolleur.
Im Jahr 2022 sperrte die kanadische Regierung während der Trucker-Proteste die Bankkonten von über 200 Personen — ohne Gerichtsverfahren, nur per Dekret. Wer nur digitales Bankgeld hatte, war plötzlich handlungsunfähig. Wer Bitcoin hielt, konnte immer noch frei darüber verfügen. Dieser Fall illustriert den fundamentalen Unterschied: Digitales Bankgeld ist eine Erlaubnis, die widerrufen werden kann. Bitcoin-Besitz ist mathematisch gesichert.